Historische Dampfmaschinen der Sammlung Vaporama zeugen künftig in Winterthur von der Industriegeschichte des Kantons

23.09.2011 - Medienmitteilung

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Foto einer Dampfwalze

Die historischen Dampfmaschinen der Stiftung Vaporama aus Thun sollen in Winterthur zu neuem Leben erweckt werden: Auf dem Sulzer-Areal ist die Eröffnung eines Dampfzentrums geplant, in dem die Besucher Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Dampftechnik erleben können. Zu diesem Zweck wird in den nächsten Wochen die Stiftung Dampfzentrum Winterthur gegründet. Das Startkapital hat ein privater Investor bereitgestellt.

Heute ist auf dem Winterthurer Sulzer-Areal eine der letzten historischen Dampfmaschinen aus Thun eingetroffen. Bis Ende September werden die rund 100 Dampfmaschinen aus dem Bestand der Stiftung Vaporama vollständig in Winterthur versammelt sein. Mit dem Umzug nach Winterthur sind nicht nur der Bestand und die Einheit der einzigartigen Sammlung gesichert, die in Thun keine Zukunft mehr hatte (siehe Kasten). Die historischen Dampfmaschinen verschiedenster Art sollen in Winterthur auch die Grundlage bilden für den Aufbau eines Dampfzentrums als offene Fabrik mit einem integrierten musealen Teil. Die Initiative dafür hat der im November 2009 gegründete Verein Dampfzentrum Winterthur ergriffen. Als Standort für das Dampfzentrum konnte die Halle 181 auf dem Sulzer-Areal in Winterthur gemietet werden.

Viele Maschinen in Winterthur produziert – Kantonale Denkmalpflege unterstützt Rückkehr

Viele der historischen Dampfmaschinen wurden im Kanton Zürich und insbesondere in Winterthur selbst hergestellt. Die Kantonale Denkmalpflege unterstützt deshalb – in enger Absprache mit der Denkmalpflege des Kantons Bern – die Übersiedlung dieser wichtigen Zeugen der Industriegeschichte des Kantons Zürich nach Winterthur. Sie stellt dabei ihr fundiertes Knowhow in der Konservierung und der Präsentation von mobilem Kulturgut (Textilmaschinen, Dampfschiffe, historische Bauteile u.a.) zur Verfügung und unterstützt den Verein Dampfzentrum Winterthur in der Konzeption und im Aufbau des Dampfzentrums.

Kombination von Museum und offener Dampfmaschinenfabrik

Das Sammelgut der Stiftung Vaporama bildet den historischen Kern des künftigen Dampfzentrums. Die Gegenwart sowie die absehbare Zukunft der Dampftechnik werden durch eine offene Fabrik repräsentiert, welche den Besuchern einen Einblick in handwerkliche Techniken und neue Trends der Dampftechnik bietet. Das Publikum soll so die Restauration der Dampfmaschinen und ihren Betrieb live beobachten und unter Umständen auch selber Hand anlegen können.

Stationäre Dampfmaschinen sind weitgehend unbekannt, da sie meist in nicht zugänglichen Industrieanlagen im Einsatz waren. Für eine bessere Vermarktung des Dampfzentrums soll die Sammlung deshalb mit historischen Dampflokomotiven und Dampftraktoren ergänzt werden. Später könnte beispielsweise auch ein Dampfkarussell dazukommen.

Startkapital dank privater Einlage gesichert – weitere Sponsoren gesucht

Trägerin des Dampfzentrums und künftige Eigentümerin der historischen Dampfmaschinensammlung wird die Stiftung Dampfzentrum Winterthur sein. Ihre Gründung erfolgt in den nächsten Wochen. Den Grundstein für die Stiftung legt der Winterthurer Immobilienunternehmer Robert Heuberger. Er stattet die Stiftung mit einem Startkapital von 500'000 Franken aus. Damit hat er den Umzug der Dampfmaschinen von Thun nach Winterthur ermöglicht und die Miete der Halle 181 auf dem Sulzer-Areal fürs erste sichergestellt. Die Stiftung Vaporama bringt ihr Sammelgut in diese neue Stiftung ein. Die neue Stiftung wird eng mit dem Verein Dampfzentrum Winterthur zusammenarbeiten.

Um der Öffentlichkeit den Zugang zur Dampfmaschinensammlung dauerhaft zu ermöglichen, wird sich die Stiftung um weitere Beiträge von Sponsoren bemühen. Geplant ist unter anderem ein Beitragsgesuch an den Zürcher Lotteriefonds.

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Geschichte der Stiftung Vaporama in Thun

Die Stiftung Vaporama ist 1998 aus dem 1975 gegründeten Verein Schweizerisches Dampfmaschinen-Museum Thun hervorgegangen. Sie hat in Thun eine herausragende Sammlung von Dampfmaschinen aufgebaut.

Trotz grossem Einsatz vieler freiwilliger Helfer und finanzieller Hilfe von Privaten sowie der öffentlichen Hand (Stadt Thun und Kanton Bern) gelang es der Stiftung nicht, einen angemessenen, festen Ausstellungsstandort für die Sammlung zu finden. Nachdem das bisherige, temporäre Domizil im Schadauareal in Thun gekündigt und die Zuschüsse der öffentlichen Hand gestrichen wurden, hat die Stiftung Vaporama Ende 2009 einen Aufruf zur Rettung der Sammlung lanciert.

Darauf meldeten sich mit Grenchen und Winterthur zwei Schweizer Industriestädte als ernsthafte Kandidaten für die Übernahme der historischen Sammlung. In Winterthur ergriff eine Gruppe von engagierten Unternehmern, allen voran Dr. Hanspeter Bärtschi (Arias Industriekultur Winterthur), Andreas Maurer (MMC Seuzach) und Roger Waller (DLM AG Winterthur) die Initiative zur Rettung der Sammlung und hat zu diesem Zweck am 25. November 2009 den Verein Dampfzentrum Winterthur gegründet.

Foto einer 3-Zylindermaschine
Bild: Roger Waller, Verein Dampfzentrum Winterthur

Eine 3-Zylindermaschine, die an der Weltausstellung in Paris 1889 zu sehen war, wird in der Halle 181 auf dem Sulzer-Areal in Winterthur zusammengebaut. Damit schliesst sich der Kreis: Hersteller der Maschine ist die Firma Gebrüder Sulzer aus Winterthur.

Foto einer Dampfwalze
Bild: Roger Waller, Verein Dampfzentrum Winterthur

Eine Dampfwalze wird auf dem Sulzer-Areal in Winterthur abgeladen. Sie war ehemals im Besitz der Baufirma Frutiger AG in Thun und wurde von der Stiftung Vaporama in aufwändiger Arbeit restauriert, sodass sie heute betriebsbereit ist.

Foto einer Labormaschine aus dem Maschinenlaboratorium der ETH Zürich
Bild: Roger Waller, Verein Dampfzentrum Winterthur

Die aus dem Maschinenlaboratorium der ETH Zürich stammende Labormaschine im Vordergrund wartet in der Halle 181 in Winterthur darauf, wieder zusammengesetzt zu werden. Im Hintergrund ein Halblokomobil «King» aus der Möbelfabrik Gruyéria in Bulle.

Foto des Schwungrads einer Dampfmaschine
Bild: Roger Waller, Verein Dampfzentrum Winterthur

Das Schwungrad einer Dampfmaschine aus der Maschinenfabrik Strengelbach wird auf dem Schadau-Areal in Thun für den Transport verladen...

Foto bei der Abladung des Schwungrads
Bild: Roger Waller, Verein Dampfzentrum Winterthur

…und auf dem Sulzer-Areal in Winterthur in der Halle 181 wieder abgeladen. Das in zwei Teile zerlegte Schwungrad wiegt insgesamt 24 Tonnen.

(Medienmitteilung der Baudirektion)

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